"Herborner Tageblatt"/"Dill-Zeitung" vom Montag, 2. Oktober 2006
"brAssMEN" boten Musik der Extra¬klasse mit hohem Spaßfaktor
Hochkarätiges Blechbläser-Quintett begeisterte Zuhörer im Erdbacher DGH
Breitscheid-Erdbach (mig/s). Wie vielseitig, mit wie viel Spaß
und mit welcher Professionalität man ein Bläserkonzert
gestalten kann, bewies am Samstag¬abend die
Formation "brAssMEN". Die fünf Blechbläser überraschten und überzeugten mit einem abwechslungsreichen Abend im Erdbacher Dorfgemeinschaftshaus.
Das Quintett "brAssMEN" überzeugte mit Professionalität und Vielseitigkeit. (Foto: mig/s)
Bereits der Name des Quintetts und vor allem seine Schreibweise
überrascht: Groß- und Kleinbuchstaben scheinen in beliebiger
Reihenfolge zu kommen, doch ist die Erklärung dafür ganz
logisch: "Brass" ist der Begriff für Messing beziehungsweise
Blech, also das Material, auf dem gespielt wird, "men" die englische
Bezeichnung für Männer. Da die fünf Musiker alle tief im
christlichen Glauben verwurzelt sind, haben sie die Buchstaben für
das Wort Amen groß herausgehoben.
Ungewöhnlich war auch, dass es kein schriftliches Programm
für die Besucher gab — Hintergrund dafür war der
Überraschungseffekt, den die Auswahl der Stücke schon zu
Beginn des Auftritts von "brAssMEN" erzielte: Die fünf
Profi¬musiker stiegen überraschend mit dem volkstümlichen
"Trompetenecho" ein, was beim Publikum für Gekicher und Applaus
sorgte.
Die Erkenntnis, dass sie wohl nicht in der "Musikantenhüttn"
gelandet seien, setzte sich beim Quintett schnell durch, und so folgte
amerikanische Militärmusik.
Wer zu einem Bläserkonzert von "brAssMEN" geht, darf der
Ankündigung "Klassik, Jazz, Gospel und mehr" glauben. Vor allem
das "Mehr", denn auch die großen Hits der schwedischen Gruppe
Abba lassen sich hervorragend für Blasinstrument arrangieren, und
so klingen beispielsweise "Mama Mia", "Super Trooper" oder "Thank You
For The Music" einmal ganz anders. Wenn sich das Quintett der Klassik
annimmt, darf man trotz schwarzer, gediegener Konzertanzüge nicht
meinen, dass dies nicht mit Spaß und Augenzwinkern geschieht.
Denn diese Bizet-Oper, in der es um eine schöne Frau und irgendwie
auch einen Stier geht (gemeint hatte Trompeter Markus Motschenbacher
die weltberühmte "Carmen"), lässt sich beim Spiel auch
komödiantisch interpretieren.
Dazu reichte ein rotes Tuch an der Trompete von Motschenbacher sowie
eine Verkleidung als Stier des Trompeters Johannes Langendorf aus.
Während die beiden ein erstklassiges Spiel ablieferten, wurde vor
dem begeisterten Publikum ein kleiner Stierkampf hingelegt.
So machte das Quintett dann auch aus Händels Feuerwerksmusik
schnell eine Feuerwehrsmusik und lieferte mit den Tönen des
Martinshorns den Beweis für die Song-Umbenennung. Auch ein neues
Instrument wurde dem erstaunten Publikum präsentiert: die
"Latrinette", eine Toilettenschüssel, der man tatsächlich
tiefe, tubaähnliche Töne entlocken kann und mit der sich die
Eurovisions-Erkennungsmelodie spielen lässt.
Bei allem Spaß ist der christliche Hintergrund den Musikern ein
ernstes Anliegen. Daher wird das Stück "Jesus, zu Dir kann ich so
kommen, wie ich bin" in jedem Konzert gespielt. Nicht nur Karl-Heinz
Winkel, Leiter des Erdbacher Posaunenchors, der das Konzert organisiert
hatte, erlebte einen gelungenen Konzertabend: Das Publikum honorierte
die Freude an der Musik mit lang anhaltendem Applaus.