Der Karstlehrpfad
mit seinen 15 Stationen.

Station 1:
Ausstellung zur Erd.- und Vorgeschichte im Dorfgemeinschaftshaus Erdbach.
Station 2:
Der Homberg
An diesem ehemaligen Steinbruch sind 350 Millionen Jahre alte Meeresablagerungen in deutlich erkennbaren Schichten aufgeschlossen. In den Kiesel-, Ton- und Schwarzschieferschichten finden sich viele Versteinerungen von Tieren und Pflanzen aus dem Unterkarbon und Kulm.
Station 3:
Erdbachauslauf
Nach ca. 1200 Metern unterirdischem Lauf tritt hier der Erdbach wieder an die Oberfläche, nachdem er in Breitscheid im Kleingrubenloch versunken war. Interessant ist auch die Durchflusszeit Breitscheid - Erdbach. Durch Färbeversuche konnten zwei Zeiten von 14 Stunden und 35 Stunden ermittelt werden. Dieses deutet darauf hin, dass dem Bach verschiedene unterirdische Wege zur Verfügung stehen.
Station 4:
Steinbruch
Da der Bruch schon länger still liegt, hat sich zwischen zeitlich eine interessante Tier – und Pflanzenwelt angesiedelt, die sich nun ungestört entfalten kann. So kann man beobachten, wie Sträucher und Gehölze von den Rändern her allmählich den Steinbruch zuwachsen. Im zeitigen Frühjahr fällt hier besonders der rosa blühende, stark giftige Seidelbast (Daphne mezereum) auf. Etwa fünf Meter vor dem Tunnel fällt uns ein vermoostes Bachbett auf, das unter dem Zaun hervorkommt. An seinem Ursprung befindet sich einer der bei Hochwasser aktiven Überläufe des Erdbachhöhlensystems.
Station 5:
Höhle am Steinbruchgrund
Diese Höhle wurde Mitte der 20er Jahre durch eine Sprengung zugänglich. Durch den Eingang tritt man in einen hallenartigen Raum, in dessen Hintergrund sich eine Spalte noch etwas fort setzt, aber bald zu eng wird.
Station 6:
Stollenhöhle
Hier ist leider nur der halb verfallene Eingang zu dem 1928 gesprengten Stollen sichtbar. Bedeutung erlangte die Höhle durch Funde von über 90 Knochen im Höhlenlehm, darunter 50000 Jahre alte Überreste des Höhlenbären (Ursus speleus), einem Verwandten unseres Braunbären, der während der letzten Eiszeit ausstarb.
Station 7:
Höhle im Benderstollen
Um vermutete Fortsetzungen zur Stollenhöhle aufzufinden, sprengten Höhlenforscher Mitte der 70-er Jahre den Benderstollen in den Berg. Nach 9 Metern traf der Stollen auf eine mit Lehm und Schutt gefüllte Spalte, die auf ca. 5 Meter Länge freigeräumt wurde, wobei schöne Reste von Tropfsteinen gefunden wurden. Da aber immer wieder Material aus dem Deckenbereich nachbrach und weiterführende Spalten sich als zu eng erwiesen, wurden die Arbeiten eingestellt.
Station 8:
Gassenschlucht
Dieses Trockental ist vermutlich das vom "eiszeitlichen Erdbach" gegrabene Bachbett. Sein unterer Teil hat auf einer Läge von 600 Metern ausgesprochen schluchtartigen Charakter.
Die
Hänge der Gasseschlucht werden von einem artenreichen Laubmischwald
bedeckt, in dem neben Buche, Esche und Ahorn auch schöne Ulmen (die
leider dem Ulmensplintkäfer zum Opfer gefallen) sind und Linden
auffallen.
Eine spezielle Karstflora ist nicht ausgebildet. Trotzdem
schafft ein sehr empfindliches Gleichgewicht von Baum- und Bodenflora
ein Mikroklima, das einer Reihe von kalkliebenden Pflanzen das
Überleben sichert.
Besonders während der Blütezeit im Frühjahr sind die Talhänge eine Augenweide.
Station 9:
Heuloch
Hier befand sich in der Wiese eine Doline, an der immer wieder Erde in den Untergrund nachsackte. Um an die darunter vermutete Höhle zu gelangen, begannen Höhlenforscher im Sommer 1985 mit Grabungsarbeiten, in deren Verlauf am 17.Juni 1985 eine enge, abwärts führende Spalte angefahren wurde. Leider erwies sich das Gestein aber als so brüchig und es klemmten so viele lose Blöcke in der Spalte, dass die Forschungen aus Sicherheitsgründen wieder eingestellt werden mussten.
Station 10:
Kleingrubenloch
Dies ist die vielleicht bedeutendste Karsterscheinung im Gebiet, befindet sich hier doch der Eingang zur Erdbachhöhle. Als Kleingrubenloch wird dabei der gesamte von Wiesen und Gärten bedeckte Bereich bezeichnet, in dem sich Bachschwinden befinden, also von der Erläuterungstafel aus bis etwa 200 Meter weit Bach aufwärts. In früheren Zeiten versank der Bach in diesen weiter oben gelegenen Schlucklöchern- hier war aber nie ein bedeutender Zugang zu einer Höhle zu erkennen gewesen. Die Doline, in der sich heute die Hauptschwinde befindet, ist in einer vormaligen Wiese erst im Winter 1964/65 eingebrochen und gab den Blick in ein Loch frei, in dem der Bach verschwand.
Station 11:
Fischweiherdoline
Dieser
Einsturztrichter ist das eindrucksvollste Beispiel (und leider auch
eines der wenigen verbliebenen) der halbkreisförmigen Dolinenreihe um
Breitscheid, die sich an der Grenze zwischen Kalk und dem ihn umgebenen
Gesteinen befindet (bzw. befand).
Die Rinnsale aus der Basaltauflage
konnten hier am Ende der abdichtenden Tonschicht in die Klüfte des
Kalksteins einsickern und durch Lösungsarbeit größere Hohlräume
schaffen und das Höhlensystem erweitern.
Der im höheren
Einlaufbereich der Doline durch künstliche Abdichtung angelegte
Fischweiher entwässert wie der frühere Bachlauf in das Spaltensystem
unter den Felsblöcken am Dolinengrund.
Forschungen (Wassermarkierungen) ergaben einen Zusammenhang der Doline mit der Karstquelle "Erdbachauslauf" (=Station Nr.3).
Station 12:
Butterfass-Doline
Dieser
Einsturztrichter ist ein weiteres der wenigen verbliebenen Beispiele
der halbkreisförmigen Dolinenreihe um Breitscheid, die sich an der
Grenze zwischen Kalk und den ihn umgebenden Gesteinen befindet (bzw.
befand).
Die Rinnsale aus der Basaltauflage konnten hier am Ende der
abdichtenden Tonschicht in die Klüfte des Kalkgesteins einsickern und
durch Lösungsarbeit größere Hohlräume schaffen und das Höhlensystem
erweitern.
In Schlucklöchern am Dolinengrund versickern bei nassem
Wetter kleine Rinnsale. Mit dem einfließenden Wasser verschwanden im
Laufe der Zeit die lockeren Erdmassen an der Einlaufstelle in die Tiefe
und lagerten sich dort in den durch die Lösungsarbeit des Wassers
entstandenen Hohlräumen ab. Bei Hochwasser werden sie von dort
teilweise wieder ausgespült. Dies führt zur Trübung des aus den
Karstquellen austretenden Wassers.
Forschungen (Wassermarkierungen)
ergaben einen Zusammenhang der Doline mit der Karstquelle
"Erdbachauslauf" (=Karstlehrpfad Station Nr.3).
Station 13:
Maibaumdoline
Dieser
doppelte Einsturztrichter ist ein weiteres der wenigen verbliebenen
Beispiele der halbkreisförmigen Dolinenreihe um Breitscheid, die sich
an der Grenze zwischen Kalk und dem ihn umgebenden Gesteinen befindet
(bzw. befand).
Die Rinnsale aus der Basaltauflage konnten hier am
Ende der abdichtenden Tonschicht in die Klüfte des Kalkgesteins
einsickern und durch Lösungsarbeit größere Hohlräume schaffen und das
Höhlensystem erweitern.
In zwei getrennten Schlucklöchern am
Dolinengrund versickern bei nassem Wetter kleine Rinnsale. Mit dem
einfließenden Wasser verschwanden im Laufe der Zeit die lockeren
Erdmassen an der Einlaufstelle in die Tiefe und lagerten sich dort in
den durch die Lösungsarbeit des Wassers entstandenen Hohlräumen ab. Bei
Hochwasser werden sie von dort teilweise wieder ausgespült. Dies führt
zur Trübung des aus den Karstquellen austretenden Wassers.
Forschungen
(Wassermakierungen) ergaben einen Zusammenhang der Doline mit der
Karstquelle "Erdbachauslauf" (=Karstlehrpfad Station Nr.3).
Station 14:
Liebstein
Von
hier aus hat man den besten Überblick über das gesamte
Breitscheider-Erdbacher Karstgebiet. Die Grenze zwischen dem Kalk und
seinem Umgebungsgestein verläuft nahezu genau entlang der
Bebauungsgrenze der Gemeinde Breitscheid, bzw. entlang der Grenze
zwischen Wald- und Wiesenflächen, die man auf dem Rundweg aufsuchen
kann.
Die Dolinen stehen unter der Patenschaft der Speläologischen
Arbeitsgemeinschaft Hessen e.V. (SAH), die diese Naturdenkmale betreut.
Der
Abbau dieses hochwertigen Kalks eines devonischen Korallenriffs hat in
den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Falls die angestrebte
Ausweisung des sogenannten "Faulfeldes" als Naturschutzgebiet nicht in
absehbarer Zeit erfolgt, wird auch der diesseitige Bereich in den
kommenden Jahrzehnten dem Kalkabbau zum Opfer fallen.
Station 15:
Steinkammern
Bei den Steinkammern handelt es sich aufgrund archäologischer Funde um zwei der wichtigsten hessischen Höhlen. Wir besuchen zuerst die Große Steinkammer (Taschenlampe!). Hinter dem trichterförmig zusammenlaufenden Vorplatz liegen im Eingangsbereich der Höhle große Blöcke, die auf den Einsturz eines ehemaligen Höhlenraumes hindeuten. Nach Nordwesten zweigt von dem Vorraum ein etwa 15 m langer, lehmiger Gang ab, der schließlich verlehmt endet.
Die Höhle wurde mehrfach von Archäologen (Altertumsforschern) untersucht. Dabei kamen Tonscherben von Gefäßen aus der Jungsteinzeit und Keramikreste aus der Hallstattzeit (ca. 450 v.Chr.) zum Vorschein. Ob die Höhle zu dieser Zeit bewohnt war, gelegentlich als Zufluchtstätte diente oder ob hier nur Opfergaben dargebracht wurde, lässt sich aufgrund der geringen Funde allerdings nicht sagen.
Kleine Steinkammer
Die Kleine
Steinkammer ist entgegen ihrem Namen die größere der beiden Höhlen und
liegt etwa 50 m weiter links am Hang. Wir treffen zuerst auf ihren
dreieckigen Haupteingang, hinter dem ein kleiner Raum folgt
(Taschenlampe empfehlenswert), von dem nach rechts ein kurzer
Kriechgang abzweigt. Geradeaus erreicht man über eine abschüssige Stufe
einen weiteren Gang. Wer sich nicht fürchtet, kann sich hier einmal
hineinbegeben.
Irgendwie kommt man irgendwo auch wieder heraus! Ehrenwort!
Die
archäologische Erforschung dieser Höhle brachte im Herbst 1898
menschliche Skelettreste direkt im Haupteingang zum Vorschein. Leider
konnte nicht exakt festgestellt werden, von wie vielen Menschen die
Überreste stammen. Neben den Knochen wurden Keramik scherben und Eisen
und Bronze Gegenstände gefunden, darunter Ohrringe aus Bronze, eine
Glas und eine Bernsteinperle, und als Höhepunkt ein bronzener
Wendelring, der ursprünglich um den Hals getragen wurde. Heute befinden
sich die Funde im Museum in Wiesbaden.
Wer Naheres über die Höhlenforschung, über die Erdbacher Höhlen oder über die Speläologische Arbeitsgemeinschaft Hessen (Verein der Höhlenforscher) erfahren möchte, kann sich an Speläologische Arbeitsgemeinschaft Hessen Herrn B. Martin, Kirchstraße 12, 35767 Breitscheid wenden.
Leicht abgeändert nach: Christian Grubert, Karst und Höhlen um Erdbach - ein kleiner naturkundlicher Wanderführer, Wiesbaden 1995 (Naturschutzhaus e.V.)
Höhlen
Karstlandschaften lassen sich an bestimmten Eigenarten erkennen. Die auffälligsten und bekanntesten
sind
Höhlen, die durch die unterirdische Auflösung von Kalk entstehen und in
manchen Gegenden beträchtliche Größen erreichen können. Durch Spalten
im Gestein oder durch Bachschwinden dringt ständig Wasser in Höhlen
ein. Es sammelt sich meistens an bestimmten Stellen, um dann im
weiteren Verlaufs eines Weges als Höhlenbach den unterirdischen
Höhlengängen zu folgen. Wo durch diese natürlich wiederum langsam
erweitert werden.
Eine Besonderheit
der Höhlen stellen die bekannten Tropfsteine oder Sinter dar. Es sind
Ablagerungen von gelöstem Kalk, den das Wasser aus feinen Rissen und
Fugen herantransportiert hat. Erst wenn das mit Kalk
(Calciumhydrogencarbonat) gesättigte Wasser in den mit Luft gefüllten
Höhlenraum gelangt, kann ein Teil verdunsten, und lässt den Kalk
(Calciumcarbonat) zu rück, der sich an den Felsen in bizarren Formen
ablagert. Es bilden sich stehende Tropfsteine auf dem Höhlenboden
(Stalagmiten), Zapfen, die von der Decke hängen (Stalagtiten) und sogar
durchgehende Säulen (Stalagstelen). Außerdem können sich Girlanden,
Vorhänge oder geschlossenen Sinterüberzüge an den Wänden bilden.
Tropfsteine sind kleine Kunstwerke der Natur und wachsen sehr langsam - in unserem Klima meistens
weniger
als einen Zentimeter im Jahrhundert. Deshalb ist es unverständlich,
dass sie oft von unvernünftigen oder habgierigen Menschen abgeschlagen
und zerstört werden. Zu Hause im Schrank werden Tropfsteine schnell
grau und unansehnlich und zerfallen schließlich. Man lasse sie in ihrer
dunklen Heimat!
Weil niemals die Sonne in die tieferen Höhlenregionen scheinen kann, herrscht hier das ganze Jahr über eine feuchte und kalte Atmosphäre. Deshalb findet man auch nur wenige Lebewesen in Höh len. Am auffälligsten sind noch die Fledermäuse, die sich etwa in der Zeit von Oktober bis April zum Winterschlaf an die Höhlendecke hängen. Da sie sehr empfindlich gegen Störungen sind, darf man Höhlen in dieser Zeit nicht betreten. Ansonsten findet man in Höhlen manchmal Insekten oder Spinnen, die hier ein Leben in ewiger Dunkelheit führen und sich von hereingeschwemmter organischer Substanz ernähren.
Quelle: Christian Grubert, Karst und Höhlen um Erdbach - ein kleiner naturkundlicher Wanderführer,
Wiesbaden 1995 (Naturschutzhaus e.V.)