Der ehemalige Erdbacher Bürgermeister Gerhard Enners war für seine schmackhaften Blut- und Leberwürste bekannt.

Von den Nachkriegsjahren bis zum Ende der 60er Jahre sah man es vielfach, das am »Krampholz« über einer Leiter hän­gende Hausschwein, das sein Leben ausgehaucht hatte. Damals wurde beim Schlachten noch der Speck mit den Fingern gemessen um festzustellen, wer im Dorf das prächtigste Schwein hatte. Allerdings maßten die Menschen in dieser Zeit auch kräftiger essen, weil sie körperliche Schwerstarbeit zu leisten hatten. Manche hatten einen bis zu zwanzig Kilometer langen Fußmarsch zur Arbeitsstelle und am Nachmittag wieder zurück. Dann maßte die ganze Feldarbeit noch bewältigt wer­den. Da wundert's nicht, wenn am Abend eine große Pfanne mit Bratkartoffeln und Rührei mit Speck sowie eingemachte Gur­ken auf den Tisch kamen. Irgendwie musste ja wieder aufge­tankt werden.

So eine Hausschlachtung dauerte zwei Tage. Am Mor­gen, wenn das Schwein ge­schlachtet am »Krampholz« hing, frühstückte der Haus­schlachter erst einmal ausgie­big. In der Zwischenzeit konn­te ja der Fleischbeschauer sei­ne Pflicht tun. Zum Frühstück gab es stark riechenden Lim­burger, nachmittags süßen Ku­chen. Am ersten Tag wurde das Schwein zerlegt und die Leber- und Blutwürste ge­macht. Die dicken Därme, die Blase sowie der Magen wur­den befüllt, so entstanden Schwartemagen und Pressköpfe. In den folgenden Wochen räucherte man verschiedene Wurstsorten, damit die Wurst auch noch im Frühjahr schmeckte. In der »Flaaschbitt« lagen »Solwerfleisch«, »Säufoisjer«, »Eisbaa« sowie Speck und Schinken, mit Bret­tern abgedeckt und obenauf ein dicker Stein. EnnerGerhard2Bild

Nachmittags zog der Duft der Wurstsuppe durch das ganze Haus. In dieser »Brühe« kochte man die Würste. Da kam es manchmal in einem unbeaufsichtigten Augenblick vor, dass die eine oder andere Wurst »versehentlich« aufge­stochen wurde. Dadurch hatte die Wurstsuppe einen viel kräf­tigeren Geschmack. Wurstsup­pe war damals begehrt. Mit Brotbrocken darin war sie eine köstliche, sattmachende Mahl­zeit. Besonders die Stadtbe­wohner waren »scharf« darauf.

Wurstsuppe fürs Rathaus

Damals war ich »Stift« im Rathaus in Dillenburg. Was lag da näher, als den Dillenburgern, die in diesen Jahren sol­che Hausschlachtungen nicht mehr kannten, zwanzig Liter Metzelsuppe in einer Milch­kanne mitzunehmen. Das gan­ze Rathaus roch nach frischer Wurstsuppe. Für die Kollegen damals eine Rarität, für die Dörfler nichts Besonderes.

Am zweiten Tag der Schlachtung wurden dann die Restarbeiten erledigt. Gerhard Enners, damals Krankenpfle­ger im Psychiatrischen Kran­kenhaus Herborn und gleich­zeitig ehrenamtlicher Bür­germeister des 600-Seelen­Dorfes Erdbach, war als Haus­schlachter für seine ge­schmackvollen Leber- und Blutwürste bekannt. Am Abend gab's dann das beliebte Schlachtfest. Da saßen oft mehr hungrige Mäuler am Tisch, als das Schwein an Essbarem lieferte.

Debbschelange

In vielen Orten war es üb­lich, dass die jungen Leute bei denjenigen, die geschlachtet hatten, das » Debbsche langten«. Da wurde ein ausrangier­ter Blechtopf genommen und am Abend in den steinernen Flur gescheppert. Durch den' Krach wurden die beim Schlachtessen Sitzenden auf­merksam auf das Begehren der Dorfjugend. Und da gab es dann gewaltige Unterschiede im »Beschicken« der Töpfe. Die einen waren sehr großzü­gig und füllten den Topf nur zu einem Viertel mit Kartoffeln und  Sauerkraut, der andere Teil war mit Wellfleisch und Leber- und Blutwurst ange­füllt. Da lohnte sich das »Debbschelange«. Andere hin­gegen füllten den Topf gerade im umgekehrten Verhältnis. Da waren die jungen Leute ganz schön sauer.

In Breitscheid hat sich fol­gende Geschichte abgespielt: Die blauen Schmalzdebbe wurden nach dem Säubern auf dem Gartenzaun aufgehängt. Diese Debbe benutzte man dann zum »Debbschelange«, und einmal, da hatten die jun­gen Leute ein Haus erwischt, dessen Bewohner nichts von solchem Mitessertum hielten. So wurde dann das Debbsche kurzerhand mit einem Fußtritt an die frische Luft befördert. Die so Verärgerten schepper­ten das nächste Debbsche in den Flur, am Gartenzaun hin­gen ja genug davon. Der missgünstige Hausvater bemerkte zu spät, dass er seine eigenen für den Schmalz so dringend benötigten Schmalzdebbe selbst zerdeppert hatte. So ein Pech aber auch!

Quelle: Zeitungsgruppe Lahn Dill, Autor: Gerd Werner, Erdbach

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Durch die Gebietsreform in Hessen musste die Gemeinde Erdbach ab 01.01.1977 ihre bisherige Selbstständigkeit aufgeben. Mit Medenbach, Gusternhain und Rabenscheid wurde sie in die neue Großgemeinde Breitscheid übernommen, die Ende 1979 4635 Einwohner hatte.

Am 22. Oktober 1972  wählten die Erdbacher Bürger zum letzten Mal als selbstständige Gemeinde ihre Gemeindevertretung. Um die 15 Sitze bewarben sich die Bürgerliste (BL) und die Liste der SPD. Nach dem Wahlergebnis stellte die Bürgerliste 12 und die SPD 3 Gemeindevertreter. Die Gemeindevertretung wählte erneut Gerhard Enners zum ehrenamtlichen Bürgermeister.

Der 31.12.1976 war der letzte Tag der Selbstständigkeit der Gemeinde Erdbach.

Die Bürgermeister der Gemeinde Erdbach bis zur Gebietsreform 1977

1860 – 1875 Johannes Geil
1875 – 1890 Johann Werner
1890 – 1900 August Müller
1900 – 1914 August Eppinghausen
1914 – 1923 Ernst Hofmann
1923 – 1933 Richard Hofmann
1933 – 1935 Willi Leng
1935 – 1937 Emil Seelhof
1937 – 1945 Rudolf Hisge
1945 – 1961 Hermann Werner
1961 – 1977 Gerhard Enners